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Season 1 Review
Im ganzen Trubel von ‚Lost’ und ‚Desperate
Housewives’ ging in der US-Seriensaison 2004/2005
eine andere neue Top-Show fast unter: ‚Veronica Mars’.
Das Leben in Neptune ist nicht immer fair, was die
18jährige Schülerin Veronica Mars (Kristen Bell) am
eigenen Leib erfahren muss: Nachdem ihre beste Freundin
Lilly Kane (Amanda Seyfried) ermordet worden ist, ist
Veronicas Beliebtheit an der Schule rabiat gesunken und
die Trennung von ihrem Freund, Lillys Bruder Duncan
(Teddy Dunn), hat da auch nicht drüber hinweg geholfen.
Seither ist ein Jahr vergangen und Veronica hat ihren
Lebensstil gehörig umgekrempelt: Anstatt sich
püppchenhaft zu präsentieren, ist sie zur Outsiderin
mutiert und hilft ihrem Vater Keith (Enrico Colantoni),
dem einstigen Sheriff von Neptune, bei gewissen Fällen
in seiner Privatdetektei. Ganz nebenbei schnüffelt sie
für Leute an der Schule in den geheimen Datenbanken
herum, um so einen Nebenverdienst zu erhalten.
Schließlich findet sie im neuen Schüler Wallace (Percy
Daggs III) einen guten Freund. Doch von etwas ist sie
nach wie vor besessen: Sie will herausfinden, wer ihre
beste Freundin wirklich umgebracht hat, denn die
Beweislage deutet gegen den Verhafteten. Und auf ihrer
Suche kommen Schüler wie Logan Echolls (Jason Dohring)
oder Weevil (Francis Capra) nicht immer gelegen...
Nicht nur das Leben in Neptune ist selten fair, sondern
auch in der amerikanischen TV-Landschaft: Vor lauter
verzweifelter Hausfrauen und auf einer Insel
gestrandeten Individuen bekam eine neue Serie im Herbst
2004 nicht die Aufmerksamkeit, die ihr eigentlich von
der Qualität her zugestanden hätte. Die Rede ist von
‚Veronica Mars’, welches eine Mischung aus Teenage-,
Krimi und Myteryserie ist. Was nach einem leicht
ungewöhnlichen Mix klingt, entpuppt sich als wahrer
Suchtgarant. Denn wer die erste der insgesamt 22 Folgen
à je 40 Minuten schaut, kommt nicht mehr davon los. Dies
liegt unter anderem daran, dass jede Folge mit einem
größeren oder kleineren Cliffhanger endet
beziehungsweise Handlungen aus der aktuellen Episode
noch nicht abgeschlossen sind und der Zuschauer
unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Durch die
ganze Season zieht sich nämlich ein dicker roter Faden,
auf den man immer wieder zurückkommt und der inständig
neue Wendungen nimmt.
Dieser rote Faden wird ganz klar in der ersten Episode
ausgelegt: Die Ermordung von Lilly Kane. Fast in jeder
Folge kommt die Geschichte darauf zurück bis sie im
furiosen Finale definitiv aufgelöst wird. Dass während
Veronicas Ermittlungen der Schein oftmals trügt,
versteht sich von selbst. Gegen Ende der Season
verdichten sich Indizien und dadurch wird die Serie
spannender und spannender. Man kann die Story der ersten
Season gar als eine der besten der letzten TV-Jahre
bezeichnen! Nebenbei bietet jede Folge aber eine eigene
kleine Geschichte, die sich meistens mit einem
bestimmten Fall beschäftigt, den Veronica und/oder Keith
zu lösen versuchen. So will eine Schülerin etwa wissen,
wer ihre leiblichen Eltern sind und die Detektiv-Tochter
findet mehr darüber heraus. Dass sie bei ihren
Nachforschungen oftmals intelligenter und geschickter
vorzugehen scheint als das örtliche Sheriff-Department
ist zwar etwas unrealistisch, kratzt aber nur marginal
an der stimmigen und vor allem dichten Atmosphäre der
Serie. Zusätzlich zu den Fällen hat Veronica natürlich
auch mit persönlichen Problemen zu kämpfen, etwa dem
Verschwinden ihrer Mutter, Duncans aus dem Weg gehen ihr
gegenüber oder dass ihr Vater plötzlich neue Frauen
kennen lernt. So ist in der Welt von Neptune immer etwas
los und es wird nie langweilig.
Erschaffen wurde ‚Veronica Mars’ von Rob Thomas, der die
Ausgangslage der Serie ursprünglich als Buch geplant
hat. Der US-Fernsehsender UPN suchte dann aber nach
einem Konzept für eine neue Serie und schwups – eine
neue TV-Heldin war geboren. Und eben diese Dame wird von
Kristen Bell verkörpert, die die Idealbesetzung für
Veronica zu sein scheint. Ihr bissiger, sarkastischer
Humor macht extrem Spaß, ihre sympathische Art wird
viele Anhänger finden und ihr starkes Auftreten
vermittelt der Heldin eine unglaubliche Persönlichkeit.
Deshalb kann man getrost sagen, dass ein Grossteil von
der hochstehenden Qualität der Serie der
Hauptdarstellerin zu verdanken ist. Aus diesem Grund ist
es umso unverständlicher, dass Bell bei den vergangenen
Emmy-Awards übergangen und nicht einmal nominiert wurde.
Aber auch der Rest des Cast ist äußerst gut getroffen:
Die Vaterfigur von Keith Mars wird von Enrico Colantoni
anscheinend perfekt wiedergegeben und die Gespräche
zwischen ihm und Bell gehören zu den Highlights der
Serie. In weiteren Teenagerrollen sind Percy Daggs III,
Francis Capra, Jason Dohring und Teddy Dunn zu sehen.
Die erstgenannten passen toll in die Welt von Neptune,
doch Dunn wirkt manchmal etwas steif und verkrampft.
Warum dies so ist, klärt sich aber im Lauf der Staffel.
Neben dem Maincast gibt es auch wiederkehrende
Gaststars. Eine davon ist Alyson Hannigan als Logans
Schwester Trina. Witziger Hintergrund: Hannigan gehörte
zur Truppe bei ‚Buffy’ und ‚Veronica Mars’ ist laut ‚Buffy’-Creator
Joss Whedon die beste Serie im TV.
Diese Meinung vertritt allerdings nicht nur er, sondern
auch eine Menge Presseleute: Trotz der ‚Lost’-
und ‚Housewives’-Präsenz lobten Kritiker die
Serie in den Himmel und priesen Kristen Bell als die
herrlichste neue TV-Heroine. Da ‚Veronica Mars’ einen
einzigartigen Stil besitzt, kann man diese Kommentare
gut verstehen. Die Serie ist nämlich alles andere als
ein Heile-Welt-Szenario, trotz der Ansiedlung in einer
(fiktiven) kalifornischen Stadt. Der Druck von
Problemen, Intrigen und Korruption ist allgegenwärtig
und erinnert nicht umsonst immer mal wieder an den Film
noir. Für Serienschöpfer Rob Thomas ist sein „Baby“
nämlich eine Film Noir-Serie. Auch gibt es fast in jeder
Folge von Season 1 verschiedene Rückblenden auf vorher
Geschehenes. Diese Szenen sind jeweils mit einem Filter
bearbeitet, so dass sie sich optisch klar vom Rest
abheben. Außerdem kommentiert Veronica das Geschehen
oftmals aus dem Off, sprich: Wir können hören, was sie
denkt. Der herrlich bissige Humor ist ein weiterer
großer Pluspunkt der Serie. Wenn uns Veronicas Gedanken
etwa fragen „You want to know how I lost my virginity?“
und gleich darauf mit „So do I.“ einen draufsetzt, hüpft
das innere Sarkasmusherz des Zuschauers. Und alle, die
darüber genauso denken, sind bei ‚Veronica Mars’
eindeutig an der richtigen Stelle. Denn nirgends sonst
findet man derzeit eine sympathischere, coolere Heldin
und eine bessere Story im TV-Genre. Dass die
Schnüfflerin dabei schlauer ist als die Polizei erlaubt,
kann man verschmerzen. Kurzum: Veronica Mars rockt! |
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